Trio Lézard

 

Markenzeichen des Trios sind:
»Virtuosität« (klassik.com), »Klangschönheit« (FAZ) sowie »perfektes Zusammenspiel« (fanfare).

Nach nun schon über 20-jähriger Konzerttätigkeit in unveränderter Besetzung, kann man das Trio Lézard heute als eines der führenden Trio d'anches' weltweit bezeichnen. Markenzeichen des Trios sind: »Virtuosität« (Klassik.com), »Klangschönheit« (FAZ) sowie »perfektes Zusammenspiel« (Fanfare). Mit dem Gewinn des »ECHO Klassik« 2015 wird dies eindrucksvoll bestätigt. Das Ensemble sieht sich in der Tradition des großen »Trio d'anches de Paris« und setzt die Geschichte dieser Formation mit erweiterten klanglichen Ausdrucksmöglichkeiten fort. Es ist so nicht nur in der Klangwelt des Paris der 1930er Jahre zuhause, sondern interpretiert stilsicher Musik verschiedenster Epochen, von J.S.Bach über W.A.Mozart bis hin zu französischen Chansons, und dies auf über 20 verschiedenen Instrumenten! Dabei fällt die unkonventionelle Programmgestaltung durch 6 Jahrhunderte, zwischen Originalkomposition und Bearbeitung,  und über Genregrenzen hinweg auf. Das Trio Lézard ist zu Gast bei Festivals und Konzertreihen in ganz Deutschland und Europa, und wird zuletzt auch immer häufiger gebeten, seine reiche Erfahrung aus dem Konzertbetrieb im Rahmen von Meisterkursen oder Workshops weiterzugeben. Die drei auch privat eng befreundeten Musiker Stéphane Egeling (Oboe), Jan Creutz (Klarinette) und Stefan Hoffmann (Fagott) freuen sich bei jedem Konzert aufs Neue, wenn ihr Publikum am Ende vor Begeisterung die Bühne stürmt!

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Stéphane Egeling

Oboe, Englischhorn, Barockoboe, klassische Oboe, Contrebasson

wurde 1969 in Bremen geboren. Er studierte Oboe und Musikwissenschaft am Conservatoire National de Région und an der Universität Metz (Lothringen) und anschließend Oboe an der Hochschule für Musik in Saarbrücken.

Neben der Ausarbeitung der Arrangements für das Trio Lézard ist das Spielen von Barockoboe, klassischer Oboe und den romantischen Oboen des 19. Jahrhunderts ein Schwerpunkt seiner kammermusikalischen Arbeit.

Stéphane Egeling ist künstlerischer Leiter des Egge-Verlages, einem weltweit vertriebenen Spezialverlag für Holzbläser-Kammermusik.

Parallel zu seiner Tätigkeit als Solooboist im Sinfonie-Orchester-Aachen ist er ebenfalls Dozent für Englischhorn und Kammermusik an der Musikhochschule Saarbrücken.

 

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Stefan Hoffmann

Fagott, Kontrafagott, klassisches Fagott, Musette de cour, Béchonnet

wurde 1966 im Badischen geboren und lebt seit seinem Studium als freischaffender Kammermusiker und Rundfunkjournalist in Zürich.

Neben dem »moderne« Fagott bildet die Aufführungspraxis von Alter Musik auf historischen und traditionellen Blasinstrumenten wie dem Barockfagott, dem klassischen Fagott, der barocken Musette de Cour oder dem Béchonnet-Dudelsack einen Schwerpunkt seiner musikalischen Arbeit.

Parallel zu seiner Konzerttätigkeit in der Schweiz und im europäischen Ausland konzipiert er neue Konzertformen, wie etwa die Kinder- und Jugendkonzerte für verschiedene Rundfunkanstalten.

Seine kundigen und unterhaltsamen Moderationen während der Konzerte des Trio Lézard geben diesen einen ganz besonderen Rahmen.

 

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Jan Creutz

Klarinette, klassische Klarinette, Baßklarinette, Saxophone

wurde 1970 in München geboren.

Nach einer wilden Zeit als Saxophonist und Klarinettist in verschiedenen Rock- und Big-Bands in Frankfurt am Main, widmete er seine Aufmerksamkeit mehr und mehr der Klassik, begann das Studium der Klarinette bei Roland Diry in Frankfurt und setzte es fort an der Hochschule für Musik in Saarbrücken bei R. Müller van Recum und Prof. Eduard Brunner.

Seit seiner Studienzeit ist er freier Mitarbeiter des Ensemble Modern und der Deutschen Kammerphilharmonie und konzertiert in den verschiedensten Besetzungen mit Musikern wie Heinz Holliger, Frans Brüggen, Dominique de Williencourt oder Jean-Pierre Armengaud.

 

Historie

Des Trios d'anches.

Die französische Bezeichnung »trio d‘anches« steht heute in der Regel für die Besetzung Oboe, Klarinette, Fagott, meint aber im Grunde ein Trio von Holzblasinstrumenten, deren Klangerzeuger ein einfaches (wie bei der Klarinette) oder ein doppeltes Rohrblatt (wie bei Oboe und Fagott) ist. Es können demnach auch alle anderen Rohrblattinstrumente (Saxophone, Englischhorn, Kontrafagott etc.) ein solches Rohrblatttrio, ein »trio d‘anches« bilden. Selbst Schalmei, Krummhorn und Dudelsack (auch dieser ein Rohrblattinstrument!) können sich zu einem »trio d’anches« zusammenfinden.

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Der Name »trio d’anches« geht auf den Fagottisten Fernand Oubradous und dem »trio d’anches de Paris«, dem ersten Ensemble dieser Art, zurück. F. Oubradous, Solofagottist der Pariser Oper, gründete es 1927 mit Myrtil Morel (Solooboist der »Garde Républicaine«) und Pierre Lefèbvre (Soloklarinettiste der »Concerts Lamoureux«). Nachdem Wieland Wagner 1934 ein Konzert des »trio d’anches de Paris« gehört hatte, sagte er dem Kritiker Henry Malherbe, dass er noch niemals zuvor so ein hervorragendes Bläserensemble gehört habe.

Nach einer Anfangseuphorie, die sicherlich wie bei Streichquartett und Bläserquintett eng mit den ersten Interpreten verwoben war, etablierte sich die Besetzung Oboe, Klarinette, Fagott bis heute weltweit zu einer eigenständigen Gattung. Oubradous transkribierte ebenfalls erfolgreich Werke von R. Schumann, J.S. Bach und W.A. Mozart für »trio d’anches«. Die 5 Divertimenti KV Anh. 229 von W.A. Mozart sind heute sogar häufiger in Oubradous’ Transkription als in Mozarts Originalbesetzung für 3 Bassetthörner zu hören!

Auch das Trio Lézard steht in der Folge des »trio d’anches de Paris«, pflegt das Originalrepertoire und forscht nach bislang verschollenen Manuskripten aus den 30er und 40er Jahren, denn leider wurden damals nur ein Teil aller Werke gedruckt. Bei den Bearbeitungen bedeutender Werke aus Barock, Klassik und Romantik nahm sich das Trio Lézard ebenfalls F. Oubradous zum Vorbild, wobei das Trio Lézard die Klangfarben der Urbesetzung Oboe, Klarinette, Fagott um die der tiefen Nebeninstrumente Oboe d’amore, Englischhorn, Bassoboe, Bassklarinette und Kontrafagott erweiterte.

Das »trio d’anches de Paris« hat sein großes Können in den Jahren 1935–1939 in einer umfangreichen Diskographie eingespielt. In der Pariser Nationalbibliothek kann man sich heute einen großen Teil dieser Aufnahmen anhören und in Kopien aushändigen lassen.

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Dem Pädagogen Fernand Oubradous ist es zu verdanken, dass kurze Zeit später viele seiner Schüler sich ebenfalls zu »trio d’anches« zusammenfanden und sich so innerhalb weniger Jahre in ganz Europa diese neue Gattung etablierte.

Wichtiger Faktor für die europaweite Verbreitung der neuen Besetzung war ebenfalls Oubradous’ Bekanntschaft mit den Komponisten Pierre-Octave Ferroud und Marcel Mihalovici. Beide waren Gründer der Konzertgesellschaft »Triton« (welcher auch S. Prokofjew angehörte). Triton war in Paris ein Zentrum für Aufführungen französischer Neuer Musik und stand im Austausch mit gleichartigen Institutionen in London, Wien, Prag und Berlin, sodass hier ein europaweites Netzwerk für Neue Musik entstand.

Was J. Haydn 1760 mit dem Streichquartett und A. Reicha 1810 mit dem klassischen Bläserquintett gelungen war, ist – erfreulicherweise – Fernand Oubradous mit dem »trio d’anches« ebenfalls geglückt: So entstand Ende der 1990er Jahre eine Fassung der Triosonaten BWV 525–530 von J.-S. Bach, die heute als Notenmaterial und als SACD veröffentlicht ist.

Ebenfalls im Druck erschienen sind die Lézard-Bearbeitungen von Werken von J.-Chr. Bach, G. Bassano, L.v. Beethoven, G.F. Händel, J. Haydn, L. Mozart, H. Purcell, J.-J. Quantz, G. Rossini und G.Ph. Telemann. Anfang 2005 erarbeitete das Trio Lézard eine Fassung für historische Instrumente der oben erwähnten 5 Divertimenti KV Anh. 229 von Mozart.

Durch Einbeziehen der historischen Instrumente wie Barockoboe, klassische Oboe, klassische Klarinette, Barockfagott und klassisches Fagott sowie der originalen barocken Dudelsäcke und der Musette Béchonnet hat das Trio Lézard die klanglichen Möglichkeiten eines »trio d’anches« zwar stark erweitert, hat jedoch an Fernand Oubradous’ Grundgedanken, der Verbindung von zwei Doppelrohrblattinstrumenten mit einem Instrument mit einem einfachen Rohrblatt, nichts verändert.

Es ist ebendiese Mischung die den Ensembleklang eines »trio d’anches« so einmalig macht: Perfekte klangliche Homogenität bei gleichzeitig auch großer Klarheit der einzelnen Stimmen (um zum Beispiel kontrapunktische Linien hörbar zu machen), das zeichnet ein »trio d’anches« aus.